Im Schatten der Burg Hagen

bullet1 Ein Wort vorweg

In meinem Buch „Spurensuche in Hagen - Vorwärts in die Vergangenheit!“ schrieb ich im Vorwort:

Und so möchte ich mit Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, gern ein wenig plaudern. Meistens erzähle ich ja, aber ich höre Ihnen auch gern zu. Wenn Sie also etwas auf dem Herzen haben, machen Sie einen Augenblick Pause, holen sich einen Notizblock und notieren sich Ihre Gedanken. Und wenn Sie mir diese mitteilen wollen, schreiben Sie mir eine Nachricht…. Und wenn Sie genug nachgedacht und gesammelt haben, plaudern wir weiter. Vielleicht wird ja wieder ein neues Buch daraus.

Diesen Wunsch haben mir viele Leser gern erfüllt und haben mir in der Vergangenheit viele Textdokumente und Bilder übermittelt. Manch ein Leser rief mich an, andere schrieben mir eine E-Mail oder einen Brief.

Zu vielen Beiträgen fand ich neben den von den Verfassern mitgeschickten Bildern ergänzendes Material in meiner Bücher- und Bildersammlung. Auch wurde ich im Internet fündig und konnte vorhandenes Wissen mit neuen Erkenntnissen und Details verknüpfen. So entstand aus vielen kleinen Teilen plötzlich ein Netz von Zusammenhängen. Es fügten sich Fragmente ineinander, manchmal über einen sehr langen Zeitraum hinweg. Die Arbeit an den Beiträgen der verschiedenen Autoren glich einem Puzzle. Immer wieder entdeckte ich, dass sich Begebenheiten überschnitten – wenn auch zu verschiedenen Zeiten. Ich möchte das an einigen Beispielen verdeutlichen:

Von Christine Rohde, geb. Hille, Urenkelin des damaligen Oberförsters Heinzmann und Enkelin des Apothekers Adalbert Müller, erhielt ich einige Bilder aus dem Jahr 1946, die sie, ihre Schwestern und andere Hagener Kinder beim Baden in der Aue bei Roes Steg zeigen. Im gleichen Sommer schrieb deren Nachbar, mein Vater Ernst Augustin, einen Brief an seinen Onkel Henry in den USA. Dieser Brief kehrte nach 65 Jahren zurück.

Ernst Fricke, dessen Tante Clara von 1917 bis 1918 als junge Lehrerin nach Hagen kam, fand in seinem Archiv Bilder aus dem Sommer 1917, die an der gleichen Stelle, nämlich auch bei Roes Steg, aufgenommen waren. Seine Tante Clara wohnte während ihrer Hagener Zeit bei Ida Leeser, von den damaligen Hagenern „Tante Ida“ genannt. Diese wohnte „Am Brink“ und war als Nachbarin bekannt mit dem Apotheker Müller und seiner Frau, den Großeltern von Christine Rohde. Christines Großmutter war zeitweilig Nachbar von Peter Dittrichs Familie, die als Vertriebene nach Hagen gekommen waren.

Ida Leesers Vater, Leser Leeser, wurde als Maler und Glaser neben vielen anderen Geschäftsleuten und Landwirten in einem Verzeichnis der Gewerbetreibenden genannt, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert das Hagener Geschäftsleben bestimmten. Möglicherweise war er es auch, der die in Blei gefassten Fenster der Kirche in Uthlede lieferte. Dieses Verzeichnis enthält auch den Namen von Frau Witwe Hüncken, deren Schwiegertochter Gretlies wiederum gut bekannt war mit „Clärchen“ Fricke, der jungen Lehrerin. Und Gretlies Hüncken war die Tochter des Architekten Eberhard Hillebrand, der in Hagen u.a. das heutige Seniorenschlösschen baute.

In diesem Punkte gibt es ebenfalls Berührungspunkte mit den Beiträgen von Hansdieter Kurth über „Tante Ida“, Ernst Fricke und Christine Rohde. Und mein Vater, Ernst Augustin, schrieb seinen Brief an Onkel Henry in Amerika aus dem Haus am Amtsplatz 7, damals noch „Am Brink“ genannt. Gegenüber von dieser Adresse, „Am Brink Nr. 5“, hatte bis zu ihrem Tode auch „Tante Ida“ gewohnt hatte.

Bei dem nun vor Ihnen liegenden Werk fungiere ich überwiegend als Moderator, denn die Co-Autoren waren ja die eigentlichen Akteure. Ihnen gilt mein besonderer Dank. Die Verfasser der verschiedenen Beiträge kannten sich persönlich nicht, aber eines war allen gemeinsam: Das Interesse an der Vergangenheit Hagens, seinen Menschen sowie die Erinnerung an die Kinder- und Jugendzeit.