Im Schatten der Burg Hagen

bullet1 Leseproben


An dieser Stellen möchte ich Ihnen einige der Autoren mit ihren Beiträgen vorstellen.


Auf der folgenden Kartenskizze sind die

Schauplätze des Geschehens "Im Schatten der Burg Hagen"

zu sehen


Diese Karte von Hagen führt den Betrachter zurück in die Zeit zwischen 1900 und 1950.

Manches  alte Gebäude verschwand im Laufe der Jahrzehnte, viele neue Gebäude kamen hinzu.

Tauchen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, hinein in die Zeit vor mehr als 100 Jahren und seien Sie überrascht, wie sich „Dammhagen“ von damals in das heutige „Hagen im Bremischen“ gewandelt hat.


ROLF AUGUSTIN

1.4 Baumeister verändern Hagens Gesicht

Kirchenbaurat Rudolph Eberhard Hillebrand

Wie schon bei einigen anderen Kapiteln dieses Buches hatte „Kommissar Zufall“ seine Hand im Spiel, als ich auf den Namen „Hillebrand“ stieß. Im Kapitel „Ahrend Hüncken – Ein Nachruf“ ist über ihn zu lesen: „Auch seine von uns allen hochgeschätzte Gattin Gretlies holte er sich aus den Reihen der Corpsschwestern, aus dem Hause unserer beiden unvergessenen, im ersten Weltkrieg gefallenen Hillebrands.

Wer war denn nun dieser „Hillebrand?

Und welche Beziehung hatte er zum Ort Hagen?





Architekt und Baurat Rudolph Eberhard Hillebrand,
* 30. April 1840 in Osnabrück
† 18. März 1924 in Hannover


Eines hatte ich ja bereits lesen können, nämlich, dass Eberhard Hillebrand der Vater von Gretlies Hüncken und damit Schwiegervater des Ahrend Hüncken (jun.) 1878 – 1957 ist. Er ist somit auch Großvater derer Kinder. Eines dieser Enkelkinder lebt nach wie vor in Hagen. Es ist Frau Rose Schnitzler, geborene Hüncken. Sie half mir bei meiner Suche nach dem Wirken des Architekten Hillebrand ein wenig auf die Sprünge.

Auf eine entsprechende Frage schrieb sie mir: Auf dem Grundstück (auf dem heute das Hagener Seniorenschlösschen steht!) stand ein altes Haus. Mein Vater kaufte es und ließ die Vorderseite abreißen. An dieser Stelle baute sein Schwiegervater Rudolf Eberhard Hillebrand 1908 das neugotische Haus.

Der hintere Teil des Hauses blieb stehen als Aufenthaltsraum und Schlafzimmer für die unverheirateten Mitarbeiter.

In der Mitte des Traktes führte ein Flur vom großen Haus in die Scheune und den Stall.

Gegenüber, auf der anderen Straßenseite stand im Gemüsegarten ein kleines Gartenhaus. Als das Grundstück gekauft wurde, war das Haus schon vorhanden. In unserer Zeit ist es nie bewohnt worden. Nur 1945, als die Amerikaner das Haupthaus und die Stallungen in Beschlag nahmen, hat die Familie das kleine Haus als Wohnzimmer und kleine Küche für ein halbes Jahr benutzt. Schlafräume stellten damals  die Nachbarn zur Verfügung.

Das alte Nachbarhaus wurde 1908 gekauft als Alterssitz für die Witwe Hüncken und ihre Pflegerin.


Das von R. E. Hillebrand 1908 gebaute Gutshaus der Familie Hüncken
Dieses Haus am Amtsdamm war der Alterssitz für die Witwe Hüncken und ihre Pflegerin


Es gab aber auch noch andere Baumeister wie Hase, Götze und Lenthe, die das Ortsbild durch ihre Bauten verändert haben.

Lesen Sie im Buch weiter, und Sie werden erfahren, wer das Pastorenhaus, die Kirche und die heutige Friedhofskapelle gebaut hat.

Sie werden Bilder von einer geplanten Hagener Kirche finden und sehen, dass der Hagener Kirchturm einen Zwilling in Ostfriesland hat!

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ERNST FRICKE

2.1 Die neue Lehrerin in Hagen - Clara Fricke

Meine Geschichte erzählt von den Erfahrungen, die meine Tante, Clara Fricke, im dritten Kriegsjahr des 1. Weltkrieges (1917 – 1918) als junge Lehrerin in Hagen sammelte.


Clara Fricke (1897 – 1985)

Gleichzeitig möchte ich mit meinen Ausführungen ein Stück Hagener Zeitgeschichte dokumentieren, denn die in Granit gemeißelten Namen der Gefallenen auf der Tafel des Hagener Kriegerdenkmals des 1. Weltkrieges sagen sicher den heute Lebenden nicht mehr viel.

Hier sehen Sie Clärchen, wie sie von der Familie genannt wurde, im Sommer 1917 mit ihren Schülerinnen und Schülern vor der Schule.


In diesem Haus bei "Fräulein Ida Leeser" wohnte sie.


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HANSDIETER KURTH

2.2 Eine Jüdin in Hagen – Ida Leeser

Am 16. Juli 1935 ist die Hagenerin Ida Leeser im Alter von 76 Jahren verstorben. Sie ist wenige Tage später auf dem jüdischen Friedhof im „Döhrenwald“ beigesetzt worden, wo sich ihr Grab mit kleinem Stein noch immer befindet. Das war die vorletzte Beisetzung hier; die letzte geschah 1936 mit der am 21. März verstorbenen Berta Herzberg.


Das Grab (kleiner Stein) von Ida Leeser auf dem jüdischen Friedhof von Hagen


Über die Beisetzung Ida Leesers berichtete die Nordwestdeutsche Zeitung am 26. Juli: Wie wenig ein großer Teil unserer Bevölkerung bisher über die Judenfrage aufgeklärt ist, zeigte eine Judenbeerdigung, die kürzlich in Hagen stattfand. Viele deutsche Volksgenossen schickten Kränze zum Trauerhaus, und nicht wenige Volksgenossen gingen am Nachmittag zur Beerdigung der verstorbenen Jüdin. Der Rabbiner stellt das auch fest, als er die deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen mit Handschlag begrüßte.

Doch wer war diese Frau, die am 11. Mai 1859 in Hagen geboren worden war?

Nach allem, was uns bekannt ist, war sie die Tochter von Leser Leeser, einem Maler und Glaser, und sie wohnte zeitlebens im Haus „Am Brink 5“, heute Amtsplatz 5.

Doch welche Rolle spielte sie dort? Pflegte sie ihren Vater bis zu seinem Lebensende im Jahre 1912? War sie für ihn „das Mädchen für alles“?



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ROLF AUGUSTIN

2.9  Ein Brief kehrt aus Amerika zurück


Ein fehlgeleiteter Neujahrsgruß zum Jahreswechsel 2010/11 bescherte mir die Bekanntschaft einer bisher unbekannten Verwandten. Es handelte sich hierbei um Britta Augustin aus Jork (Altes Land), Tochter eines entfernten Vetters. Sie unterhält Kontakt zu gemeinsamen Verwandten in den USA. Wenige Tage nach unserem ersten Briefwechsel sandte sie mir einen bemerkenswerten Brief, den mein Vater am 5. September 1946 an seinen Onkel Henry Augustine  in Amerika gesandt hatte. Sie brachte dieses einmalige Dokument von einem Besuch in den USA wieder zurück nach Deutschland.

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, werden verstehen, dass ich doch einigermaßen erfreut und erstaunt war, jenes einzigartige Schriftstück der Familien- und Zeitgeschichte in Händen zu halten. Der Brief schildert in sehr bewegender Weise die familiäre und persönlich/örtliche Situation im Nachkriegsdeutschland in dem Dorf 23 Hagen, Bez. Bremen, Germany, Brit(ische). Zone

Briefmarken der amerikanischen und britischen Besatzungszone 1946

Unsere Familie wohnte damals im Haus Nr. 7 „Am Brink“, in dem ich auch aufwuchs, heute „Amtsplatz 7“ also gegenüber von dem Haus Nr. 5, in dem Clara Fricke 1917/18 als Pensionsgast bei „Tante Ida“ Leeser gewohnt hatte. Gleichzeitig waren wir zur anderen Hausseite Nachbarn von Apotheker Müller. Hier schließt sich also der Bezug zu den anderen Geschichten dieses Buches an.